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5. Tag, erster Teil

22.07.2009 – Mitten in der Nacht 

Au Mann! Was für eine Nacht. Kaum war ich eingeschlafen, wurde ich geweckt – allerdings nicht wie geplant durch unsere Gruppenleiterin, sondern durch ein knarzendes schramendes Geräusch unter mir, einen Ruck und die plötzliche Schieflage der Schiffes. Wenige Augenblicke später kam dass der Alarm. Großartig! A liebsten hätte ich mir einfach nur noch die Bettdecke über den Kopf gezogen, doch natürlich ging das nicht. Und so rappelte ich mich auf und stolperte ins Badezimmer, wo ich meine Sachen deponiert hatte. Zwar hatte man uns gesagt, dass wir bei Alarm sofort nach oben kommen sollten, doch ich dachte mir nur: wenn ich nur im Schlafanzug und diesen Überlebensanzügen im Meer treiben sollte, dann wird mir sehr schnell sehr kalt werden. Also zog ich hastig meine lange Unterwäsche und eine Hose an, meine Daunen-Unterjacke schnappte ich mir und stolperte nach oben. Dort war bereits das Chaos losgebrochen. Der kleine Umkleideraum was voll mit Leuten, die sich hastig in die Überlebensanzüge quetschten und so reihte auch ich mich ein. Danach sollten wir uns alle im Klassenzimmer versammeln um durchgezählt zu werden. Da kam auch schon einer der Matrosen und berichtete: das Schiff hatte bei Ebbe einen etwa 2 Meter tief gelegenen Felsbrochen gerammt und saß nun auf ihm auf. Innerlich wäre am Schiff wohl kein Schaden zu sehen. Allerdings müssten wir hier alle zusammen auf die Flut warten und hoffen, dass wir wieder frei kamen. Wenn nicht hatte man ein nahe gelegenes Kreuzfahrtschiff angefunkt. Dieses wartete in der Nähe um uns Notfalls evakuieren zu können.

Und so warteten wir alle brav in unseren Überlebensanzügen und schon bald verfluchte ich mich dafür, dass ich so viel angezogen hatte. Denn es was sauheiß. Bald schon wurde uns langweilig und so schlug ich vor, dass man doch Titanic oder Teletubbies spielen könnte (letzteres, weil ich mich in meinem orangenen Michelin-Männchen-Anzug genau so fühlte…). Beide Vorschläge stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Und so vertrödelte man sich die Zeit mit faulenzen, schlafen und 3 Unterrichtsstunden, die uns einer der Betreuer spontan gab. Um etwa 3 Uhr war die Flut dann fortgeschritten genug, dass das Schiff wieder frei kam. Der Kapitän erschien und erklärte, dass die Seekarten von ihr oben wohl sehr schlecht wären und dass Nebel und schlechtes Wetter zu dem Unfall beigetragen hätten. Man müsse nun jedoch am nächsten Tag mit uns nach Ny Alysund fahren, um den Schiffsrumpf durch Taucher überprüfen zu lassen. Und so wurde umdisponiert und ich durfte wieder ins Bett. Zumindest noch für ein paar Stunden. Unsere Nachtexkursion war damit jedoch ins Wasser gefallen.

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10 Responses to “5. Tag, erster Teil”


  1. 1 schatzkiste
    Juli 29, 2009 um 10:14 AM

    au weia, erst die frischen Eisbärenspuren und jetzt noch mitten in der Nacht mit dem Schiff auf einem Felsen festsitzen 😯 Spannung pur, diese Reise bleibt dir bestimmt für immer in Erinnerung.

    LG Rita

    • Juli 29, 2009 um 11:16 AM

      Hallo Rita,

      ja, diese Reise vergess‘ ich bestimmt nicht mehr so schnell! Ich sind da so viele Dinge passiert. manchmal dachte ich echt ich bin bei versteckte Kamera… 😉
      Das mit dem Felsen war tatsæchlich nicht lustig. Ich war sooo muede in dieser Nacht. Doch wir mussten ja alle wach und in Alarmbereitschaft bleiben… :-/
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  2. Juli 30, 2009 um 8:09 AM

    Also ich kann nur sagen, Deine Reise wird hier zum wahren Krimi. Es ist wirklich unglaublich was Du alles erlebst.
    Aber gut das so ein Kreuzfahrtschiff in der Nähe war und Euch im Notfall hätte helfen können. Ich bin schon auf Deinen nächsten Bericht gespannt 😉

    Liebe Grüsse
    Sonja

    • Juli 30, 2009 um 10:30 AM

      Hallo Sonja,

      aber nicht dass du denkst, dass es so weiter geht. Jetzt hast du den spannendsten Teil der Geschichte definitiv hinter dir. 😉
      Was aber auch genug Abenteuer fuer die eine kurze Reise. 😉
      Den næchsten Bericht gibt es fruehestens Morgen. Gerade hab ich viel mit Uni zu tun. Da bin ich meist zu kaputt um nochwas zu tippen. 😦
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  3. Juli 30, 2009 um 11:51 AM

    ohje,
    ich mag ja Kuscheltiere, aber so in Natura… Das ist ein Abenteuer.. alleine schon aus dem Bett getrommelt zu werden und nur im Schlafanzug dann und so…. Ich hätte wahrscheinlich mein ,,Sturmgepäck“ immer links von mir stehen..
    Zählst Du schon die Tage, wenn’s wieder nach Hause geht?
    tschüss
    Sibylle 🙂

  4. 6 Annetta
    Juli 30, 2009 um 3:34 PM

    Liebe Steffi, da würde mir Angst und Bange werden. Aber nun hast du es ja überstanden. Und dein Spiel wollte vielleicht keiner spielen weils sie eventuell selber Angst hatten! Wer weis 😉 Okay wünscht dir noch einen schönen Tag. Liebe Grüße aus good old germany. Annetta

  5. 7 Deine Korrespondetin aus den Tropen
    Juli 30, 2009 um 3:54 PM

    Das find ich wirklich gruselig! O_O

    Was machst du im Moment? Habt ihr viele Bestimmungskurse?

    • Juli 31, 2009 um 9:21 AM

      Hallo,

      gruselig fand ich es in dem Moment gar nciht mal. In erster Linie war ich angenervt, weil ich wieder aufstehen und ich in diese Kleider zwængen musste.
      Gerade hab ich keine Bestimmungskurse mehr, sondern schreibe an meinem Report. Der muss bis Montag fertig sein. :-/
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  6. 9 The Curious Crab
    August 2, 2009 um 7:10 PM

    Oh je, oh je!
    Ich wäre in Panik geraten.
    Ich habe ein wenig Angst vor Wasser und den Gedanken, in Seenot o.ä. zu geraten, finde ich ganz furchtbar.
    Bin froh, dass es glimpflich für euch ausging.
    LG,
    Crab

    • August 3, 2009 um 11:13 AM

      Hallo,

      Angst vor Wasser habe ich zum Glueck keine, doch wenn ich nicht weiss wie tief es ist und was unter mir ist… oje. Dazu hab ich eine zu lebendige Fantasie… :-/ Aber daran hab ich in dem Moment gar nicht gedacht.
      Liebe Gruesse,

      Steffi


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