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Vierter Tag, Halbzeit

21.07.2009, Amsterdamøya und Danskøya 

Puh! Was für ein anstrengender Tag! Draußen war es heute saukalt – kein Wunder, wir sind nun ja wirklich fast am Nordpol. Heute wollten wir auf der Insel Amsterdamøya landen, denn auf ihr liegt ein Berg, dessen Kuppe während der letzten großen Eiszeit eisfrei gewesen sein soll. Und so ist es für uns besonders spannend, von da Proben zu sammeln. Ich weiß jedoch auch, dass es bis zur Kuppe ca. 380 Höhenmeter sind und ich kenne meine Kondition im Bergsteigen. Das passt eindeutig nicht zusammen. Doch was bleibt einem anderes übrig als der Gruppe zu folgen? Aus einem Anfall von muss-ja-auch-mal-sein habe ich mich heute auch noch als Gewehrträgerin verpflichtet. Morgens werden aus unserer Gruppe nämlich immer 4 Leute benannt, die dann das Ding mit sich rumschleppen müssen. Und da ich mich die letzten Tage schon drum gedrückt hatte, hab ich heute mal die Zähne zusammen gebissen und eins genommen. Tja, und was soll ich sagen? Kaum waren wir mit dem Schlauchboot auf der Insel gelandet und hatten uns die ersten 500 Meter durch die Pampe gekämpft, da entdeckten wir sie: Eisbärenspuren. Zuerst begriff ich es gar nicht richtig, doch da alle sich mit der Kamera darum scharten sah ich genauer hin. Tatsächlich, und die Spuren waren frisch, denn in der Nacht zuvor hatte es kräftig geschneit.

Eisbærenspur

Eisbærenspur

Nun wurde gegrübelt. Der Wind kam unglücklicherweise aus unserer Richtung, so konnte unser Hund der Eisbären nicht riechen, er uns aber schon. Also wurde die Gruppe neu formiert. 2 Leute mit Gewehr vorn, einer in der Mitte und einer hinten. Na bravo! Welche saublöde Intuition hat mich nur veranlasst gerade heute das Gewehr zu nehmen? Panik kommt in mir auf und so tue ich das einzig vernünftige: ich gebe das Gewehr ab. In meinen Händen wäre das Ding eh zu nichts nütze, denn auch wenn ich dieses mal bei den Schießübungen besser betroffen habe. Vor lauter Panik würde ich garantiert daneben schießen. Gerade als wir weiter marschieren wollten erreichte uns der Funkspruch der Kapitäns: der Eisbär war ganz in der Nähe, er hatte ihn gesehen. Ferngläser wurden gezückt und tatsächlich, er was da. Weit weg aber das bedeutete für so einen Eisbären nichts. Und so war die Entscheidung klar: wir kehren um und suchen uns einen anderen Anlandeplatz. Für uns wäre der Eisbär vielleicht keine Gefahr aber wir eine für ihn. Und Eisbären gehen vor auf Svalbard. Unser alternativer Anlandeplatz hier Danskøya und auch hier war die Gegend verschneit und wunderschön.

Eislandschaft

Eislandschaft

Doch auch hier kam für mich das böse erwachen. Schon wieder Eisbärenspuren. Dieses Mal waren sie jedoch wohl nicht frisch und da kein Eisbär gesichtet wurde, marschierten wir weiter. Teilweise stapften wir durch richtig tiefen Schnee, so dass ich manchmal knietief oder tiefer einbrach. Und da stellte sich mir schon die Frage, warum das so einem großen schweren Eisbären nicht passierte. Etwa 500 Meter vom Wasser entfernt entdeckten wir dann eine Eisbärenhöhle im Schnee. Eigentlich ist das gar nicht spektakulär, nur ein Loch im Schnee und Spuren drumherum.

Eisbærenbau

Eisbærenbau

Die Brutzeit war eigentlich auch schon im März vorbei doch da es noch Spuren in der Nähe gab, hieß es wohl, dass die Höhle noch benutzt wurde. Doch so lange wir keinen Eisbär trafen, würden wir weiter marschieren. Ich tat das jedoch mit einem sehr flauen Gefühl im Magen. Die verschneite Landschaft war wie immer herrlich und weit hinten konnte man vergletscherte Gegenden sehen, von denen man musste, dass dort ganze Gebirge unter Eis liegen, die seit tausenden von Jahren kein Tageslicht mehr gesehen haben. Vor uns die Eisschollen auf dem Meer und überhaupt diese gigantische Aussicht!

Eisschollen im Meer

Eisschollen im Meer

Der Gipfel auf Daskøya lag weit weniger hoch als der unseres letztes Zieles und so war es für mich leicht, da hoch zu klettern. Gerade mal 100 Höhenmeter. Ein Glück! Das kann man wohl Glück im Unglück nennen. Oben war es trotzdem saukalt, so dass meine Hände selbst in den warmen Handschuhen die reinsten Eisklumpen waren. Die Geländearbeit wurde daher zügig erledigt (dauerte also nur so 2 Stunden) und man wechselte sich in allen 4 Himmelsrichtungen mit den Eisbärenwachen ab. Zum Glück passierte aber nichts. Viele Flechten hab ich auch gesammelt, denn ich war mir sicher dass an unserer Uni von DORT sicher noch keine Flechten vorhanden waren. Gegen 4 Uhr Nachmittags ging es dann zurück zum Boot. Endlich mal etwas Freizeit! Doch wie zu erwarten war ich so kaputt, dass ich selbst damit nicht viel anzufangen wusste. Heute Abend muss ich früh schlafen gehen. Heute Nacht soll unsere Gruppe geweckt werden, da wir mit dem Boot einen interessanten Ort passieren, von dem wir Proben sammeln sollen. Also fahren Nachts 5 Leute raus und gehen da an Land. Zum Glück wird es hier nachts nicht dunkel! Trotzdem wird das wohl eine ziemlich geräderte Nacht.

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11 Responses to “Vierter Tag, Halbzeit”


  1. Juli 28, 2009 um 2:47 PM

    Also da wär mir auch mulmig geworden, wenn ich auf frische Eisbärspuren gestoßen wäre.

  2. 3 The Curious Crab
    Juli 28, 2009 um 6:06 PM

    Herrliche Bilder zeigst du da wieder!
    Finde ich ganz toll, wäre gern mit dort.

    LG,
    Crab

    • Juli 29, 2009 um 11:22 AM

      Hallo Crabbie,

      freut mich, dass dir die Bilder gefallen. Noch hast du Zeit rueber zu kommen. BIn noch 10 Tage da 😉
      Liebe Gruesse,

      Steffi

      • 5 The Curious Crab
        Juli 29, 2009 um 4:36 PM

        Huhu Steffie,
        ich bin leider erst am 24.08. in Oslo, und auch nur den einen Tag. Es ist zur Zeit leider nur ein Kurztrip drin. 😦
        LG,
        Crab

      • Juli 29, 2009 um 4:50 PM

        Hallo,

        achso. na da bin ich zum Glueck wieder zu Hause. Aber lohnt sich ein Tag Oslo denn ueberhaupt? Das teuerste an dem Spass wir ja wohl der Flug sein…
        Wenn du eine Uebernachtungsgelegenheit suchst, kann ich dir die Jugendherberge Haraldsheim empfehlen. Die hat vom Flughafen aus eine gute Busanbindung und liegt relativ zentral. Und die Uebernachtung ist mit 29 Euro sehr bezahlbar fuer norwegische Verhaeltnisse 🙂
        Liebe Gruesse,

        Steffi

      • 7 The Curious Crab
        Juli 29, 2009 um 6:40 PM

        Huhu,
        wir fahren mit dem Schiff. Es ist wie eine Mini-Kreuzfahrt, gibt es z.Zt. überall günstig im Angebot. Auf dem Schiff übernachten wir auch. Ich habe jetzt schon oft gehört, dass es ganz toll sein soll, weil man auch vom Schiff tolle Aussichten hat, z.B. im Oslo Fjord.
        Ich wäre allerdings auch lieber etwas länger geblieben.
        LG,
        Crab

  3. Juli 28, 2009 um 10:50 PM

    😯 😯 😯 Eisbär, Hilfe!!!
    Ich hätte ja nicht gedacht das Du so nahe an einem Eisbären gewesen bist, Deine Reise wird ja immer interessanter, auch Deine letzter Beitrag und die Bilder dazu sind spektakulär.
    Ist das nicht ein komisches Gefühl wenn es Nachts nicht dunkel wird, das stelle ich mir wirklich seltsam vor. Aber das aufstehen würde mir glaube ich trotzdem schwer fallen, ich hoffe Dir fällt es etwas leichter 😉
    Aber Deine Reise ist wirklich was ganz Besonderes, und wunderbare Bilder sind das die Du uns hier zeigst, das würde mir auch gefallen….aber……ohne Eisbär 😉 😀
    Pass Gut auf Dich auf 😉

    Liebe Grüsse
    Sonja

    • Juli 29, 2009 um 11:21 AM

      Hallo,

      weisst du, im Nachhinein find‘ ich das ganze toll. Da hat man wenigstens was zu eraehlen. Mittendrin hatte ich aber einfach nur Angst und wollte wieder nach Hause… 😉 Aber ganz ehrlich: da sind mir die Polarfuechse lieber. Die sind auch niedlich und sogar ganz ungefaehrlich…
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  4. 10 schatzkiste
    Juli 29, 2009 um 10:15 AM

    Hallo Steffi,

    wofür sammelst du eigentlich die ganzen Flechten und was passiert später damit?

    LG Rita

    • Juli 29, 2009 um 11:18 AM

      Hallo,

      na das ist mal ne schwierige Frage. Mit den Flechten passieren unterschiedliche Sachen.
      1. Einige werden genetisch untersucht, sprich DNA-Sequenzanalysen. Die koennen dann mit Flechten von wo anders verglichen werden.
      2. Die Flechten werden unterm Binokular bekuckt. Dabei findet man vielleicht ne neue Art.
      3. Mit einigen der FLechten schaue ich, wie lange die so im Gepaeck ueberleben und ob man die wieder auspflanzen kann. Das brauch‘ ich fuer meine Doktorarbeit.
      Liebe Gruesse,

      Steffi


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