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Jul
09

Zweiter Tag

19.07.09  

Was für eine Nacht! Gegen 2 Uhr ist unser Boot in einen schlimmen Sturm geraten und ich war froh, dass ich schon vor dem zu Bett gehen eine meiner Seekrankheitstabletten eingeworfen hatte. Ehrlich gesagt ging es mir aber trotzdem schlecht, doch wenigstens musste ich mich nicht übergeben. An aufstehen war bei dem Seegang nicht zu denken, denn sich auf den Beinen zu halten war wirklich schwierig. Sonst schwanken Schiffe immer nur in Filmen so, doch hier war es echt – zu 100 %. Als gegen 8 Uhr zum Frühstück gerufen wurde, hatte ich kaum geschlafen, doch das ging allen so. Appetitlos mümmelte ich ein wenig Knäckebrot (das hätte ich sonst eher mit dem Hintern angekuckt) und schlurfte dann wieder ins Bett. Ans an-Land-gehen war bei dem Wetter nicht zu denken und so segelten wir weiter in ruhige Gewässer. Gegen 12 Uhr Mittags versuchte ich wieder aufzustehen und schleppte mich bis hoch in den Schulungsraum. Unterwegs traf ich überall auf Leute, die wohl auch aufstehen wollten, sich aber unterwegs ein Sofa suchen mussten, da man es stehend oder sitzend wirklich nicht lange aushalten konnte. Es drehte einem förmlich den Magen um.nd so ließ auch ich mich im Schulugsraum auf eines der Sofas fallen, jammerte eine Weile vor mich hin, stellte fest, dass keiner wirklich auf den Beinen war und verkroch mich wieder ins Bett, nachdem ich mir noch eine von den guten Pillen eingeworfen hatte.

Gegen 2 Uhr Nachmittags begann dann endlich der Tag und wir landeten bei strahlendem Sonnenschein in Blømstrand. Das lag in einer Bucht die uns das Schlechte Wetter vom Leib hielt. Und so erkundeten wir bei arktisch sommerlichen Temperaturen von etwa 10 Grad die Gegend.

Ein Blick auf den arktischen Ozean

Ein Blick auf den arktischen Ozean

Die Vegetation war hier eher trocken und es wimmelte nur so von Flechten und so sammelte ich für mein gutes Gewissen ein paar. Die Aussicht um uns herum war blendend und die Eisberge die um uns herum im Meer schwammen machten das Bild vollkommen.

Auf dem Rückweg gab es dann schon wieder eine Panne. Dazu muss ich aber erst erklären, wie wir für gewöhnlich an Land gehen.

Schritt 1: Auf dem Schiff einen Regattaanzug anziehen. Mit dem kann man nicht wirklich ins Wasser fallen, aber er hält einem Wind und Wetter von Leib.

Schritt 2: In das Rettungsboot des Schiffes klettern, welches dann an der Seite mit einer Art Kran ins Wasser gelassen wird.

Schritt 3: Unten wartet dann ein anderes motorbetriebenes Schlauchboot. Also muss man vom Rettungsboot in dieses Schlacubott klettern, während 2 Leute die beiden Boote dicht beisammen halten.

Schritt 4: Mit dem neuen Schlauchboot an Land fahren.

 

Unser Schiffchen, das treu und brav auf unsere Rückkehr wartet.

Unser Schiffchen, das treu und brav auf unsere Rückkehr wartet.

Der Rückweg funktioniert genau so, nur eben in umgekehter Reihenfolge. Das Problem war nur: kurz bevor wir das Rettungsboot erreicht hatten, fiel der Motor unseres Schlauchbootes aus. Mit letzter Kraft schafften wir es zum Rettungsboot und konnten uns an ihm festklammern. Nur an aussteigen war natürlich nicht zu denken, da das Schlauchboot plus Fahrer sonst abgetrieben worden wäre. Also warteten wir bei relativ starkem Wellengang und Eiseskälte darauf, dass das Schlauchboot dann mit einem Seil am großen Schiff verankert werden konnte. Das dauerte gefühlte 20 Minuten. Danach war ich fix und alle und wollte nach einer Dusche nichts mehr von der Welt wissen.

Zum Abendessen gab es heute Rentier. Hab das zuvor ja noch nie gegessen und ich muss sagen: die putzigen Tierchen schmecken wirklich lecker. Ist ähnlich wie Wild und wird auch mit Preiselbeeren gegessen. Mjam!

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14 Responses to “Zweiter Tag”


  1. Juli 26, 2009 um 1:21 PM

    Was für Erlebnisse……unglaublich :surprise:
    Ich finde es wirklich toll was du hier alles zu berichten weist, um die Eisberge beneide ich Dich richtig, ich würde so gerne mal einen in Echt sehen.
    Aber das mit der Seekrankheit stelle ich mir furchtbar vor, hoffentlich gehts Dir nun wieder etwas besser. Und das mit dem Sturm klingt ja wie im Abenteuerfilm, da erlebst Du ja ganz schön viel während Deiner Reise. Ich wünsche Dir auf jedenfall weiterhin viel Spaß….und komm gut wieder….und genieß die Eisberge die sind soooo schön 😉

    Liebe Grüsse
    Sonja

    • Juli 26, 2009 um 1:28 PM

      Hallo Sonja,

      nene, jetzt gibt es keine Eisberge ehr. Ich bin jetzt wieder in Longyearbyen. Auf meiner Bootsreise hatte ich nur kein Internet und so berichte ich nun nachtræglich, was ich so erlebt habe. 🙂
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  2. Juli 26, 2009 um 3:32 PM

    Ich weiß jetzt nicht ob Dich jetzt loben soll oder mit Dir meckern soll :mrgreen:

    Die Bilder sind schön geworden und gut das Du die Seekrankheit überstanden hast, aber Du weißt schon das dieses Jahr kein Weihnachtsmann kommt, oder? Denn Du hast sein Rentier gefuttert 😆

    • Juli 27, 2009 um 6:39 AM

      Hallo Binchen,

      weisst du: ich glaub nicht, dass Weihnachten ausfællt. Hab ja sogar schon den Briefkasten vom Weihnachtsmann gefunden. 🙂 Und hier gibt es so viele Rentiere. Da stoert ihn eins mehr oder weniger nun wirklich nicht. Wal oder Robbe wuerde ich aber nicht essen. Das geht gegen meine Prinzipien.
      Liebe Gruesse,

      Steffi

      • Juli 27, 2009 um 8:30 AM

        Na hoffentlich war es aber nicht Rudi mit der roten Nase, der muss dem Weihnachtsmann den Weg zu mir leuchten 😀

      • Juli 27, 2009 um 10:47 AM

        Hallo Binchen,

        hm, da koennen wir nur hoffen, denn genau weiss ich das natuerlich nicht. Die Nase war nicht mehr dran… :-/
        Liebe Gruesse,

        Steffi

  3. Juli 26, 2009 um 5:31 PM

    Ach du lieber Himmel… also ich glaube, die Arktis ist nichts für mich 😉 – aber du hast schöne Fotos gemacht…

    glg und hab noch einen schönen Sonntag Abend – wann bist du eigentlich wieder zurück?

    Sunsy

    • Juli 27, 2009 um 6:37 AM

      Hallo,

      was denn? Nur wegen dem Sturm? Die Arktis ist toll! Hab noch nie eine so schoene Landschaft gesehen… 🙂
      Zurueck fliege ich am 08.08. Sind also noch knappe 2 Wochen.
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  4. Juli 26, 2009 um 6:10 PM

    Hallo, wenn du seekrank warst, kannst du dich doch damit trösten, dass man nur einmal im Leben seekrank wird und dann nie mehr…Oder stimmt das nicht…
    Ich lese gerade DAS SPITZBERGEN-EXPERIMENT von Hauke Trinks. Der versucht zu beweisen, dass erstes Leben vor Milliarden Jahren im Eis entstanden ist und führt dazu eine Reihe von Experimenten im Eis durch. In einer Gegend, die baumlos, eiskalt und scheinbar ohne Leben entdeckt er einen ungeheuren Reichtum an kleinen Pflanzen und Kleintieren sowohl an Land als auch im Wasser.
    Er schreibt aber auch, dass die karge Gegend dort nicht jedermanns Sache ist und dass manche Menschen depressiv werden, wenn sie dort länger leben müssen…
    Ich wünsche dir noch viele interessante Wochen dort…Und wenn du traurig bis und Heimweh hast, kannst du ja mal wieder stricken.
    LG

    • Juli 27, 2009 um 6:35 AM

      Hallo Sica,

      ne, so ganz stimmt das mit der Seekrankheit nicht. Entweder man ist anfællig fuer dieses Geschaukel, oder eben nicht. Was aber stimmt: wæhrend einer Bootsfahrt kann man sich dran gewoehnen. Es kann also sein, dass man nur den ersten Tag seekrank ist. Dieses „gewoehnen“ kann auch noch eine Weile anhalten. Trotzdem hatten wir eine ganze eihe von Leuten, die bereits wussten dass die seekrank werden. Und die hat es dann dieses Mal auch trotz Pillen wieder ausgewischt.
      Oh ja, eine Gegend ohne Bæume ist nicht jedermanns Sache. In Island mochte ich das auch gar nicht, da wirkte vieles einfach nur trostlos. Hier oben ist das aber irgendwie nochmal was anderes.
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  5. Juli 26, 2009 um 7:26 PM

    Tolle Reise,
    tolle Bilder, aaaaber diese Seefahrt *heftig Kopfschüttel* Das ist nix für mich, Arktischer Sommer, klingt klasse ! Aber alles sehr beeindruckend, wirst lange von zehren, genieße es, bist bald wieder zu Hause… Wann eigentlich?
    tschüss
    Sibylle 🙂

    • Juli 27, 2009 um 6:41 AM

      Hallo Sibylle,

      nach Hause fliege ich am 08.08, also in knapp 2 Wochen. Ist also noch ein bissel. Zehren werde ich von dieser Reise aber auf jeden Fall noch eine Weile. Die Landschaft hier ist einfach wirklich einmalig. 🙂
      Liebe Gruesse,

      Steffi

  6. Juli 26, 2009 um 11:11 PM

    😳 Na dann, aber Eisberge würde ich trotzdem gerne mal sehen :mrgreen:

    Nochmal einen lieben Gruß 😉
    Sonja


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