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Damals und heute

Als ich etwa 9 Jahre alt war, begann ich mit großer Begeisterung Geschichten zu schreiben. Ich schrieb damals über alles Mögliche, jedoch hauptsächlich Geschichten in denen es um mich und Volleyball ging – denn das war meine große Leidenschaft. Ganze Nachmittage verbrachte ich damit mein liniertes A5-Heftchen mit Sätzen und selbstgemalten Bildchen zu füllen. Ich träumte so vor mich hin und machte meiner Kreativität auf diese Weise Luft.

Eines Tages saß ich wieder am Küchentisch und schrieb vor mich hin, genau wie meine beste Freundin. Meine Mutter schickte uns zum Bäcker um Brot zu holen und so stapften wir davon. Als wir zurück kamen und unsere Heftchen wieder aufschlugen war der ganze Text voller roter Korrekturzeichen. Meine Mutter hatte sich davor gesetzt und sämtliche Fehler im Text angestrichen. Sie hatte es sicher nur gut gemeint, doch für mich war es eine Katastrophe. Meine Geschichten waren bis dahin etwas Heiliges für mich gewesen, doch das war nun entweiht. Ich war schrecklich wütend an diesem Tag und nach längerem Überlegen warf ich das Heftchen in den Küchenofen. Diese Geschichte wollte ich nicht mehr weiter schreiben, es fühlte sich nicht richtig an. Und tatsächlich dauerte es Jahre, bis ich einen weiteren Schreibversuch wagte.

Das war damals. Heute sitze ich wieder vor einem meiner Texte, mit vielen roten Korrekturzeichen darin. Es ist meine Diplomarbeit, die ich meinem Betreuer zu lesen gegeben habe. Teilweise werde ich ganze Absätze neu schreiben und mich Korrekturen beugen müssen, die sich für mich nicht ganz richtig anfühlen. Ich komme mir vor wie ein austreibender Obstbaum, der beschnitten wird und es fällt mir schwer nicht wieder alles hinzuschmeißen. Dieses Mal jedoch kann ich nicht einfach alles löschen und aufgeben. Dieses Mal geht es um meine Zukunft.

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5 Responses to “Damals und heute”


  1. Mai 5, 2009 um 11:57 AM

    Hallo Steffi, ich schreibe auch schon lange lange zeit geschichten die ich mir ausdenken, ist eine schönes beschäftigung. Liebe Grüße Annetta

    • Mai 6, 2009 um 1:54 PM

      Hallo Anetta,

      Geschichten schreiben ist was tolles. Ich schreibe heute leider keine Geschichten mehr. Muss über so viel Fachmist nachdenken, dass mein Kopf das träumen irgendwie verlernt hat… 😦
      Liebe Grüße,

      Steffi

  2. Mai 5, 2009 um 5:35 PM

    Da sieht man mal wie schlecht auch gutgemeinte Taten ankommen, das gibt mir als Mutter wirklich zu denken. Allerdings hate ich als Kind auch so das ein oder andere Erlebnis, Erwachsene sind manchmal zu Leistungsbezogen, leider.
    Aber diesmal wirst Du das ganz sicher schaffen, ich halte Dir auf jeden Fall die Daumen 🙂

    Liebe Grüsse
    Sonja

    • Mai 6, 2009 um 1:53 PM

      Hallo Sonja,

      ja, manchmal merkt man als Erwachsener nicht, was man manchmal anrichtet, auch wenn man es gar nicht böse meint. Aus heutiger Sicht kann ich meine Mutter auch verstehen. Ich war nie schlecht in der Schule und sie dachte bestimmt sie tut mir etwas Gutes. Doch gerade was mein Geschriebenes angeht, bin ich da sehr Eigen. Doch bei meiner Diplomarbeit kämpfe ich mich bisher tapfer durch… 🙂
      Liebe Grüße,

      Steffi

  3. 5 Kerstin
    August 5, 2009 um 8:18 PM

    Und du hast es trotzdem geschafft. Ich finde es auch schwer, sich nicht in Wut oder dem Wunsch, alles hinzuschmeißen, zu verlieren, wenn man selbständig etwas entwickelt hat … und dann soll man fast alles wieder streichen oder umschreiben nach dem Wunsch von anderen Leuten. Vielleicht kannst du es mit etwas Abstand sehen und daran denken, dass diese Leute in diese merkwürdigen, von Konkurrenzkampf geprägten Strukturen total eingebunden sind … Und versuchen, es selber später anders zu machen.

    (Ich lese gerade kreuz und quer in deinem Blog, und dieser Absatz ist so schön! 🙂 )


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